Worum geht es?
Der Leitungsschutzschalter (LS-Schalter, oft „Sicherungsautomat“ genannt) schützt Leitungen vor zu viel Strom, genau wie die Schmelzsicherung. Der Unterschied: Nach dem Auslösen schaltest du ihn einfach wieder ein. Nichts muss getauscht werden.
Innen hat er zwei Wächter. Der thermische merkt, wenn längere Zeit etwas zu viel Strom fließt (Überlast). Der magnetische merkt sofort, wenn plötzlich riesig viel Strom fließt (Kurzschluss). Im Schaltplan heißt er F oder Q, je nach Vorgabe der Firma.
Die Charakteristiken B, C und D
Die Aufschrift, zum Beispiel B16, nennt Auslösecharakteristik und Bemessungsstrom. Die Charakteristik legt fest, ab welchem Vielfachen des Bemessungsstroms der magnetische Auslöser sofort abschaltet:
| Charakteristik | magnetische Auslösung | Einsatz |
|---|---|---|
| B | 3- bis 5-facher Bemessungsstrom | Steckdosen und Licht in Wohnungen |
| C | 5- bis 10-facher Bemessungsstrom | Geräte mit Einschaltstrom: Motoren, Trafos, LED-Gruppen |
| D | 10- bis 20-facher Bemessungsstrom | sehr hohe Einschaltströme, große Trafos und Motoren |
Der thermische Auslöser verhält sich bei allen Charakteristiken gleich: Beim 1,13-fachen Bemessungsstrom darf er innerhalb einer Stunde nicht auslösen, beim 1,45-fachen muss er innerhalb einer Stunde auslösen. Kurze Überlasten, wie beim Einschalten eines Staubsaugers, verträgt er also.
Was sonst noch draufsteht
Foto: ABB Ltd, „Miniature Circuit Breaker S203 B16“, Lizenz: CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikimedia Commons, verkleinert.
- Bemessungsschaltvermögen, zum Beispiel 6.000 A (6 kA): Bis zu diesem Kurzschlussstrom schaltet der LS-Schalter sicher ab. Er muss mindestens so groß sein wie der höchste mögliche Kurzschlussstrom an der Einbaustelle.
- Energiebegrenzungsklasse 3: Der Schalter begrenzt die Durchlassenergie bei einem Kurzschluss stark. Das schont Leitungen und vorgeschaltete Schutzeinrichtungen.
- Polzahl: einpolig für einen Außenleiter, dreipolig für Drehstrom, auch als 1+N mit geschaltetem Neutralleiter.
Der Bemessungsstrom richtet sich nach der Leitung: Er darf nicht größer sein als der Strom, den die Leitung bei ihrer Verlegeart dauerhaft führen darf. Ein Verbraucher mit großem Strombedarf braucht deshalb eine stärkere Leitung, nicht nur einen größeren Automaten.
Schnell genug abschalten
Bei einem Körperschluss im TN-System muss der LS-Schalter so schnell abschalten, dass keine gefährliche Berührungsspannung bestehen bleibt. Für Endstromkreise bis 32 A sind das 0,4 s. Das klappt nur, wenn der Fehlerstrom groß genug ist, um den magnetischen Auslöser anzusprechen. Dafür darf die Schleifenimpedanz Zs des Stromkreises nicht zu groß sein:
Die Schleifenimpedanz wird bei der Erstprüfung gemessen (siehe Messungen und Prüfungen).
Rechenbeispiele
Wie groß darf die Schleifenimpedanz bei einem B16 und bei einem C16 höchstens sein?
- B16: Ia = 5 · 16 A = 80 A, also Zs ≤ 230 V80 A ≈ 2,88 Ω
- C16: Zs ≤ 230 V160 A ≈ 1,44 Ω
- Ergebnis: B16: 2,88 Ω, C16: 1,44 Ω
Folge: Ein C-Automat braucht bei langen Leitungen einen größeren Querschnitt, damit er noch rechtzeitig auslöst. In der Praxis rechnet man außerdem mit Reserven, weil sich der Leitungswiderstand bei Erwärmung erhöht.
Ein Gerät mit 10 A Nennstrom zieht beim Einschalten kurz den 6-fachen Strom. Löst ein B10 aus?
- Einschaltstrom: 6 · 10 A = 60 A
- B10 löst magnetisch zwischen 30 A und 50 A aus.
- Ergebnis: B10 löst aus, C10 (50 bis 100 A) eher nicht
Aber: Mit C steigt die Anforderung an die Schleifenimpedanz, siehe Beispiel 1. Beides muss passen.
Typische Fehler
- LS-Schalter nach dem Verbraucher statt nach der Leitung gewählt: Ein 20-A-Automat auf einer 1,5-mm²-Leitung schützt die Leitung nicht.
- C statt B ohne Prüfung eingebaut: Der C-Automat löst später magnetisch aus, die Abschaltbedingung kann dann verfehlt werden.
- Schaltvermögen zu klein: In der Nähe großer Trafos sind Kurzschlussströme über 6 kA möglich. Dort reichen einfache LS-Schalter nicht.
- Automaten immer wieder eingeschaltet: Löst ein LS-Schalter wiederholt aus, liegt ein Fehler oder eine Überlast vor. Erst die Ursache suchen.
Der LS-Schalter schützt Leitungen: thermisch bei Überlast, magnetisch bei Kurzschluss. B löst magnetisch ab 3 bis 5 · IN aus, C ab 5 bis 10 · IN, D ab 10 bis 20 · IN. Der Bemessungsstrom richtet sich nach der Leitung. Für die Abschaltbedingung gilt Zs ≤ U₀Ia.
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