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VoltBase Grundlagen Phasenverschiebung
Thema 14 Grundlagen

Phasenverschiebung

Wenn Spannung und Strom zeitlich versetzt sind: Was der Winkel φ bedeutet, woher er kommt und wie du ihn misst.

ca. 6 Minuten Grundlagen Quiz mit 10 Fragen
01

Worum geht es?

Bei einem Heizstab erreichen Spannung und Strom ihren Höchstwert gleichzeitig. Man sagt: Sie sind in Phase.

Bei Motoren, Spulen und Kondensatoren ist das anders: Der Strom kommt früher oder später an seinem Höchstwert an als die Spannung. Wie zwei Läufer im Kreis, von denen einer immer ein Stück hinterherläuft.

Diesen Versatz nennt man Phasenverschiebung. Man gibt ihn als Winkel φ (phi) an. Sie ist der Grund für Blindleistung und dafür, dass auf Motoren der Leistungsfaktor cos φ steht.

Strom und Spannung an Widerstand, Spule und Kondensator Beim Widerstand verlaufen Strom und Spannung gleichzeitig. Bei der Spule erreicht der Strom seinen Höchstwert eine Viertelperiode später als die Spannung. Beim Kondensator eine Viertelperiode früher. Widerstand R gleichphasig, φ = 0° Spule L i eilt 90° nach Kondensator C i eilt 90° vor rot: Spannung ublau: Strom i
Drei Grundfälle (ideale Bauteile): Am Widerstand laufen Strom und Spannung im Gleichschritt. An der Spule kommt der Strom eine Viertelperiode zu spät, am Kondensator eine Viertelperiode zu früh. Echte Verbraucher liegen dazwischen.
02

Woher kommt die Verschiebung?

  • Spule (induktiv): Eine Spule baut ein Magnetfeld auf und wehrt sich gegen jede Stromänderung. Der Strom hinkt deshalb hinterher. Bei einer idealen Spule beträgt die Verschiebung 90°. Motoren, Transformatoren und Drosseln verhalten sich induktiv.
  • Kondensator (kapazitiv): Ein Kondensator muss erst geladen werden, bevor sich Spannung an ihm aufbaut. Der Strom fließt also zuerst, die Spannung folgt. Bei einem idealen Kondensator eilt der Strom 90° voraus.
  • Echte Verbraucher: bestehen aus Widerstand und Spule oder Kondensator. Ihr Winkel liegt zwischen 0° und 90°.
Merkhilfe

„Beim Kondensator eilt der Strom vor, bei Induktivitäten wird er sich verspäten.“

Weißes längliches Vorschaltgerät für Leuchtstofflampen mit Anschlussklemmen und Typenaufdruck 230 V 50 Hz
Drossel einer Leuchtstofflampe: Ein konventionelles Vorschaltgerät ist im Kern eine Spule mit Eisenkern. Es verschiebt den Strom gegenüber der Spannung stark. Auf dem Aufdruck stehen unter anderem 230 V, 50 Hz, ein Leistungsfaktor λ von etwa 0,5 und ein passender Kompensationskondensator von 3,4 µF.

Foto: D-Kuru, „Inductor for a fluorescent lamp PNr°0019“, Lizenz: CC BY-SA 3.0 AT, Quelle: Wikimedia Commons, verkleinert.

03

Winkel und Zeit

Eine volle Schwingung entspricht 360° und dauert die Periodendauer T, im Netz 20 ms. Daraus lässt sich der Winkel in eine Zeit umrechnen und umgekehrt.

Phasenverschiebung als Zeit
Δt=φ360°· T
Δt in s · φ in Grad · T = Periodendauer
Zeigerdiagramm mit Phasenverschiebung Der Spannungszeiger liegt waagerecht. Der Stromzeiger ist um 37 Grad im Uhrzeigersinn dagegen verdreht, der Strom eilt also nach, wie bei einem Motor. U I φ = 37° Zeiger drehen sich gegen den Uhrzeigersinn: I liegt zurück
Zeigerdiagramm: Statt zwei Kurven zeichnet man zwei Pfeile. Die Länge steht für den Effektivwert, der Winkel zwischen ihnen ist die Phasenverschiebung φ. Bei einem typischen Motor eilt der Strom um etwa 30° bis 40° nach.

Ein anderer Fall von Phasenverschiebung begegnet dir im Drehstromsystem: Dort sind die drei Außenleiterspannungen jeweils um 120° gegeneinander verschoben. Genau daraus entsteht das Drehfeld für Motoren.

04

Phasenverschiebung messen

Mit einem Zweikanal-Oszilloskop zeigst du Spannung und Strom gleichzeitig an. Den Strom misst du dafür mit einer Stromzange mit Spannungsausgang oder über einen kleinen Messwiderstand. Dann misst du den zeitlichen Abstand zwischen zwei gleichartigen Nulldurchgängen und rechnest ihn in einen Winkel um.

In der Praxis zeigen Leistungsmessgeräte und Netzanalysatoren den Leistungsfaktor direkt an. Viele moderne Multimeter mit Leistungsfunktion können das ebenfalls.

Strom und Spannung am Netz gleichzeitig mit dem Oszilloskop zu messen, erfordert geeignete Tastköpfe und Differenzmessung. Nie den Masseanschluss eines normalen Oszilloskops an einen Außenleiter klemmen: Das ist ein Kurzschluss über das Gerät.

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Rechenbeispiele

01 Winkel in Zeit

Der Strom eilt der Spannung um 60° nach. Welcher Zeit entspricht das im 50-Hz-Netz?

φ = 60°T = 20 ms
  1. Δt = 60°360° · 20 ms ≈ 3,33 ms
  2. Ergebnis: Δt ≈ 3,33 ms
02 Winkel vom Oszilloskop

Am Motor liegt der Nulldurchgang des Stroms 2 ms hinter dem der Spannung. Wie groß ist φ, und ist der Verbraucher induktiv oder kapazitiv?

Δt = 2 msT = 20 ms
  1. φ = ΔtT · 360° = 2 ms20 ms · 360° = 36°
  2. Der Strom kommt später, er eilt nach: induktiv.
  3. Ergebnis: φ = 36°, induktiv

Weiter gedacht: cos 36° ≈ 0,81. Das ist ein typischer Leistungsfaktor für einen Asynchronmotor unter Last.

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Typische Fehler

  • Vor- und Nacheilen verwechselt: Bei Spulen und Motoren eilt der Strom nach, bei Kondensatoren vor. Die Merkhilfe hilft.
  • Halbe Periode als ganze genommen: Für die Umrechnung zählt die volle Periodendauer von 20 ms, nicht die Halbperiode.
  • Phasenverschiebung mit Drehstrom-Versatz verwechselt: Die 120° im Drehstromnetz beschreiben den Versatz der drei Spannungen untereinander, φ den Versatz zwischen Strom und Spannung eines Verbrauchers.
Merke

Die Phasenverschiebung φ ist der zeitliche Versatz zwischen Spannung und Strom, angegeben als Winkel. Widerstand: 0°. Spule und Motor: Strom eilt nach. Kondensator: Strom eilt vor. Umrechnung: Δt = φ360° · T.

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Quiz: Teste dich

Zehn Fragen zum Thema Phasenverschiebung. Nach jeder Antwort bekommst du eine Erklärung. Dein Fortschritt wird auf diesem Gerät gespeichert.

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