Worum geht es?
Beim Einschalten zieht ein Drehstrommotor kurz ein Vielfaches seines normalen Stroms. Das kann das Licht flackern lassen, Sicherungen auslösen und die Mechanik ruckartig belasten. Anlaufverfahren sorgen für einen sanfteren Start.
Wie beim Anfahren mit dem Auto: Mit Vollgas und schnell losgelassener Kupplung ruckt es, mit Gefühl fährt man sanft an.
Die Verfahren
- Direktanlauf: Motor einfach einschalten. Einfach und billig, aber großer Anlaufstrom. Wie groß ein Motor direkt anlaufen darf, legt der Netzbetreiber in seinen Technischen Anschlussbedingungen fest.
- Stern-Dreieck: erst Stern, dann Dreieck. Strom und Kraft beim Anlauf etwa ein Drittel.
- Sanftanlasser: fährt die Spannung langsam hoch. Strom und Kraft sind einstellbar.
- Frequenzumrichter: fährt Frequenz und Spannung hoch. Volle Kraft bei kleinem Strom, Drehzahl danach frei regelbar.
Bild: Demjas, „RSBT Soft Starter“, Lizenz: CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons, verkleinert.
Rechenbeispiele
Ein Motor hat 15 A Nennstrom. Direkt zieht er das 7-Fache.
- Idirekt = 7 · 15 A = 105 A
- IStern ≈ 105 A3 = 35 A
- Ergebnis: 105 A direkt, etwa 35 A im Stern
- I = 3 · 15 A = 45 A
- Ergebnis: höchstens 45 A beim Anlauf
Typische Fehler
- Großen Motor direkt eingeschaltet: Spannungseinbruch im Netz, flackerndes Licht, vielleicht löst die Vorsicherung aus.
- Stern-Dreieck unter schwerer Last: Im Stern fehlt die Kraft, der Motor kommt nicht hoch.
- Sanftanlasser zum Drehzahlverstellen: Er kann nur sanft anfahren. Für verstellbare Drehzahl braucht es einen Frequenzumrichter.
Direkt eingeschaltet zieht ein Motor etwa das 5- bis 8-Fache des Nennstroms. Stern-Dreieck senkt Strom und Kraft auf etwa ein Drittel. Der Sanftanlasser fährt die Spannung langsam hoch, der Frequenzumrichter Frequenz und Spannung. Wie groß ein Motor direkt anlaufen darf, sagt der Netzbetreiber.
Quiz: Teste dich
Zehn Fragen zum Thema Anlaufverfahren. Nach jeder Antwort bekommst du eine Erklärung. Dein Fortschritt wird auf diesem Gerät gespeichert.