Worum geht es?
Der Spitze-Spitze-Wert sagt, wie weit eine Wechselspannung insgesamt ausschlägt: vom tiefsten bis zum höchsten Punkt. Man schreibt ihn Uss.
Wie bei einer Schaukel: Gemessen wird nicht von der Mitte nach oben, sondern vom ganz hinteren bis zum ganz vorderen Punkt.
Bei der Sinuskurve ist er doppelt so groß wie der Scheitelwert. Für die Netzspannung sind das rund 2 · 325 V = 650 V, obwohl auf jedem Gerät 230 V stehen.
Die Formel
| U | Û | Uss |
|---|---|---|
| 12 V | ≈ 17 V | ≈ 34 V |
| 230 V | ≈ 325 V | ≈ 650 V |
| 400 V | ≈ 566 V | ≈ 1.131 V |
Am Oszilloskop ablesen
Am Oszilloskop ist Uss der am einfachsten abzulesende Wert. Du brauchst weder die Nulllinie noch die genaue Kurvenform zu kennen. Du stellst mit VOLTS/DIV ein, wie viel Spannung ein Kästchen senkrecht bedeutet, und zählst die Kästchen zwischen der tiefsten und der höchsten Stelle.
Foto: Unnerving duck, „Esselte oscilloscope“, Lizenz: CC0 (gemeinfrei), Quelle: Wikimedia Commons, verkleinert.
Wofür braucht man U<sub>ss</sub>?
- Welligkeit von Netzteilen: Die Restwelligkeit (Brummspannung) einer Gleichspannung wird meist in mVss angegeben, zum Beispiel „Ripple < 120 mVss“.
- Signale mit Gleichanteil: Liegt eine Wechselspannung auf einer Gleichspannung, etwa 2 Vss auf 5 V Gleichspannung, ist die Kurve nicht mehr symmetrisch zur Nulllinie. Der Spitze-Spitze-Wert beschreibt dann trotzdem eindeutig die Größe der Schwankung.
- Messbereiche: Eingänge von Oszilloskopen, Analog-Digital-Wandlern und Audiogeräten werden oft mit einem Spitze-Spitze-Wert angegeben. Ist das Signal größer, wird es abgeschnitten.
- Verzerrte Kurven: Bei Rauschen, Störungen oder Impulsen gibt es keinen festen Umrechnungsfaktor. Uss lässt sich trotzdem immer ablesen.
Rechenbeispiele
Wie groß ist der Spitze-Spitze-Wert der Netzspannung mit U = 230 V?
- Scheitelwert: Û = √2 · 230 V ≈ 325 V
- Uss = 2 · 325 V ≈ 650 V
- Ergebnis: Uss ≈ 650 V
Ein Sinus reicht über 6 Kästchen, VOLTS/DIV steht auf 2 V. Wie groß sind Uss, Û und U?
- Uss = 6 · 2 V = 12 V
- Û = Uss2 = 6 V
- U = 6 V√2 ≈ 4,24 V
- Ergebnis: 12 Vss, Û = 6 V, U ≈ 4,24 V
Ein 12-V-Netzteil hat laut Datenblatt eine Restwelligkeit von 120 mVss. Wie viel Prozent der Ausgangsspannung sind das?
- 120 mV = 0,12 V
- p = 0,12 V12 V · 100 % = 1 %
- Ergebnis: 1 % Welligkeit
Einordnung: Die Spannung schwankt zwischen etwa 11,94 V und 12,06 V. Für Relais und LEDs ist das unkritisch, für empfindliche Messtechnik eventuell nicht.
Typische Fehler
- Uss mit Û verwechselt: Der Spitze-Spitze-Wert ist doppelt so groß. Wer am Oszilloskop 12 Vss abliest und das für den Scheitelwert hält, liegt um den Faktor 2 daneben.
- Faktor 2,83 bei verzerrten Kurven verwendet: Die Umrechnung in den Effektivwert gilt nur für Sinus.
- Tastkopf-Teiler vergessen: Steht der Tastkopf auf 10:1 und das Oszilloskop rechnet das nicht mit ein, ist der wahre Wert zehnmal so groß wie die Anzeige.
Der Spitze-Spitze-Wert ist der Abstand zwischen der tiefsten und der höchsten Spitze. Bei symmetrischen Kurven gilt Uss = 2 · Û, beim Sinus also ≈ 2,83 · U. Die Netzspannung schwingt rund 650 Vss. Am Oszilloskop: Kästchen mal VOLTS/DIV.
Quiz: Teste dich
Zehn Fragen zum Thema Spitze-Spitze-Wert. Nach jeder Antwort bekommst du eine Erklärung. Dein Fortschritt wird auf diesem Gerät gespeichert.