Worum geht es?
Die Wirkleistung ist der Teil der Leistung, der wirklich etwas tut: Er macht Wärme, Licht oder Bewegung. Genau diese Leistung zählt der Stromzähler, und genau die bezahlst du. Ihr Zeichen ist P, die Einheit Watt (W).
Wie beim Bier im Glas: Die Wirkleistung ist das Bier, das du wirklich trinken kannst. Der Schaum obendrauf ist die Blindleistung.
Beim Heizstab gilt einfach P = U · I. Bei Motoren ist nur ein Teil davon wirksam. Wie groß dieser Teil ist, sagt der Leistungsfaktor cos φ.
P = U · I (siehe Leistung). Sind Strom und Spannung gegeneinander verschoben, ist nur ein Teil von U · I wirksam. Diesen Anteil gibt der Leistungsfaktor cos φ an.Die Formeln
Beide Formeln sind die Scheinleistung mal cos φ: P = S · cos φ. Bei cos φ = 1 sind Wirk- und Scheinleistung gleich groß, bei cos φ = 0 gibt es nur Blindleistung und keine Wirkleistung.
Im Drehstromnetz liegen zwischen zwei Außenleitern 400 V, gegen den Neutralleiter aber nur 230 V. 400 V ist √3-mal so viel wie 230 V. Rechnet man die Leistung der drei Stränge mit 230 V zusammen, ergibt sich 3 · 230 V · I · cos φ, und das ist dasselbe wie √3 · 400 V · I · cos φ.
Wirkleistung messen
Die Wirkleistung misst man mit einem Leistungsmesser (Wattmeter). Er braucht Strom und Spannung gleichzeitig und berücksichtigt die Phasenverschiebung von selbst.
Foto: Ulfbastel, „Wattmeter geraet“, Lizenz: gemeinfrei (Public Domain), Quelle: Wikimedia Commons, verkleinert.
Im Drehstromnetz misst man mit drei Strom- und Spannungspfaden oder mit einem Netzanalysator, der alle drei Außenleiter gleichzeitig erfasst. Elektronische Stromzähler arbeiten nach demselben Prinzip.
Rechenbeispiele
Ein Motor nimmt an 230 V einen Strom von 6 A auf, cos φ = 0,85. Wie groß ist die aufgenommene Wirkleistung?
- P = 230 V · 6 A · 0,85 ≈ 1.173 W
- Ergebnis: P ≈ 1,17 kW
Vergleich: Die Scheinleistung beträgt 230 V · 6 A = 1.380 VA. Nur 85 % davon sind Wirkleistung.
Ein Drehstrommotor zieht an 400 V einen Strom von 10 A, cos φ = 0,82. Welche Wirkleistung nimmt er auf?
- P = 1,732 · 400 V · 10 A · 0,82 ≈ 5.681 W
- Ergebnis: P ≈ 5,7 kW
Ein Durchlauferhitzer hat 21 kW und wird an Drehstrom angeschlossen. Er ist ein ohmscher Verbraucher (cos φ = 1). Welcher Strom fließt in jedem Außenleiter?
- Formel umstellen: I = P√3 · U · cos φ
- I = 21.000 W1,732 · 400 V · 1 ≈ 30,3 A
- Ergebnis: I ≈ 30,3 A je Außenleiter
Praxis: Deshalb wird ein 21-kW-Durchlauferhitzer meist mit 32 A abgesichert und braucht einen passenden Leitungsquerschnitt.
Typische Fehler
- cos φ vergessen: U · I ergibt die Scheinleistung. Für die Wirkleistung fehlt der Faktor cos φ.
- √3 mit 230 V verwendet: √3 gehört zur Außenleiterspannung 400 V. Wer √3 · 230 V rechnet, liegt falsch.
- Typenschildleistung eines Motors als Aufnahme genommen: Auf dem Typenschild steht die abgegebene Wellenleistung. Die aufgenommene Wirkleistung ist wegen des Wirkungsgrads größer.
Wirkleistung ist der Mittelwert der Augenblicksleistung und wird in Arbeit umgesetzt. Einphasig P = U · I · cos φ, Drehstrom P = √3 · U · I · cos φ. Gemessen wird mit dem Leistungsmesser: Strompfad in Reihe, Spannungspfad parallel.
Quiz: Teste dich
Zehn Fragen zum Thema Wirkleistung. Nach jeder Antwort bekommst du eine Erklärung. Dein Fortschritt wird auf diesem Gerät gespeichert.