Worum geht es?
Wenn Strom durch eine Leitung fließt, wird sie warm. Die Wärme muss weg, sonst wird die Isolierung zu heiß und altert schnell oder schmilzt sogar.
Wie gut die Wärme weg kann, hängt davon ab, wo und wie die Leitung liegt: in einer gedämmten Wand, im Rohr, direkt auf der Wand oder frei in der Luft. Diese Arten heißen Verlegearten und haben Kurznamen wie A1, B2, C oder E.
Stell dir vor, du trägst im Sommer eine dicke Jacke: Dir wird viel schneller heiß als im T-Shirt. Eine Leitung in Wärmedämmung trägt so eine „Jacke“.
Die Verlegearten im Überblick
- A1 und A2: im Rohr in einer wärmegedämmten Wand. Die schlechteste Kühlung. A1 sind Einzeladern im Rohr, A2 eine Mantelleitung im Rohr.
- B1 und B2: im Rohr oder Kanal auf oder in der Wand. B1 sind Einzeladern, B2 eine Mantelleitung.
- C: direkt auf der Wand oder unter Putz, ohne Rohr. Das ist bei NYM im Wohnungsbau sehr häufig.
- E und F: frei in der Luft, zum Beispiel auf einer gelochten Kabelrinne. Die beste Kühlung.
Die genauen Werte stehen in den Tabellen der DIN VDE 0298-4. Wie du damit eine Leitung auswählst, zeigt das Thema Leitungsdimensionierung.
Häufung und Wärme
Liegen mehrere belastete Leitungen eng zusammen, heizen sie sich gegenseitig auf. Dann gilt ein Umrechnungsfaktor kleiner als 1. Auch eine heiße Umgebung, zum Beispiel unter dem Dach, verringert den erlaubten Strom.
Foto: Santeri Viinamäki, „Cable tray with cables“, Lizenz: CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons, verkleinert.
Prüfe immer die ungünstigste Stelle einer Leitung. Läuft sie zum größten Teil frei, aber ein Stück durch eine gedämmte Wand, dann zählt das Stück in der Dämmung.
Rechenbeispiele
Eine 2,5-mm²-Leitung darf bei Verlegeart C etwa 27 A führen, bei A1 etwa 19,5 A. Wie viel ist das weniger?
- Unterschied = 27 A − 19,5 A = 7,5 A
- Ergebnis: 7,5 A weniger, über ein Viertel
Auf einer Kabelrinne (E) darf eine Leitung allein etwa 30 A führen. Wegen der vielen Nachbarleitungen gilt der Faktor 0,7.
- I = 30 A · 0,7 = 21 A
- Ergebnis: nur noch 21 A erlaubt
Typische Fehler
- Immer mit dem besten Wert rechnen: Wer überall Verlegeart E annimmt, legt Leitungen zu dünn aus.
- Dämmung vergessen: Bei Dachausbau und Altbausanierung liegen alte Leitungen plötzlich in Dämmung. Dann dürfen sie weniger Strom führen.
- Häufung übersehen: Volle Kabelrinnen und dicke Bündel brauchen einen Umrechnungsfaktor.
Die Verlegeart sagt, wie gut eine Leitung ihre Wärme loswird. A1 in gedämmter Wand kühlt am schlechtesten, E frei in Luft am besten. Je besser die Kühlung, desto mehr Strom darf fließen. Häufung und Hitze verringern den Wert zusätzlich.
Quiz: Teste dich
Zehn Fragen zum Thema Verlegearten. Nach jeder Antwort bekommst du eine Erklärung. Dein Fortschritt wird auf diesem Gerät gespeichert.